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Liebesgedichte von Friedrich Hebbel ( 1813 bis 1863 )





Das erste Zechgelage

Es sitzt zum erstenmal -
Gebt Acht, gebt Acht! -
Vor dem Pokal -
Ob ihr ihn taumlich macht:
Das ist für ihn so viel,
Wie für die Maid
Der erste Kuß, der ihr für's süße Spiel
Die Lippen weiht.

Er trinkt schon tapfer mit
Und wird schon rot.
Gleich übertritt
Der Knabe ein Gebot.
Paßt auf, er spitzt den Mund:
Gewiß, er tut
Uns seinen letzten Kirschendiebstahl kund
Und strahlt vor Mut.

Wir sind beim dritten Glas:
Noch immer still?
Was ist denn das,
Daß er nicht plaudern will?
Kann er schon mehr vertraun?
Hat er verzagt
Schon zum Versuche hinter'm Gartenzaun
Den Kuß gewagt?

Wir schenken wieder voll.
Nun winkt er mir:
Was ich wohl soll?
Nur zu: ich horche dir: -
Er schlich sich heimlich her,
Denn als er bat,
Verbot die Mutter ihm das Zechen schwer:
Da ist die Tat.

von Friedrich Hebbel



Friedrich Hebbel










Die Liebesgedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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